Paddeln auf der Lahn am 21. und 22.07.2007

Robert Vogel kann nun in die Reihe seiner legendären Paddeltouren eine weitere als gelungen einreihen. Ohne erheblichen Planungs-, Beschaffungs-, Verladungs- und Logistikaufwand ist so ein Unternehmen nicht auf die Beine zu stellen, weshalb an dieser Stelle den zahlreichen Helfern, vor allem bei den Vorbereitungen und den Nacharbeiten, nochmals gedankt sei. Unterwegs haben dann ja alle mit angepackt.
Mit 26 gemeldeten Teilnehmern aus den Ortsgruppen Höchst, Frankfurt und der Wassersportgruppe Lauterbach, waren alle verfügbaren Boote ausgebucht, bzw. Robert hat noch zwei Zweisitzer zusätzlich organisiert und die Lauterbacher brachten eigene Einer mit. Die Flottille bestand dann letztlich aus 8 Einer-, (Nadine, Christian, Sabine, Anette, Robert, Hubert (Buddy), Uwe, Tobias) und 5 Zweier-Paddelbooten (Adreas + Fred, Eva + Hanna, Wilfried + Susanne, Karin + Johanna, Peter + Christa) sowie 2 Kanadiern (Gabi + Maria , Angela + Manfred) Altersmässig entsprach die Gruppe etwa dem repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung der BRD. Die Jüngste war Johanna (10) aus der Ortsgruppe Frankfurt, die nicht nur unermüdlich paddelte, sondern wieselflink auch bei vielen anderen Gelegenheiten wie Schleusen, Tischdecken und Abräumen half. Noch nicht ganz ausgelastet schwamm sie am Samstag Abend auch noch in der Lahn. Tobias (11) war ebenfalls hoch motiviert, vor allem weil Robert ihm als Preis für das Durchhalten der Strecke im Einer, namens „Peppes“, eben diesen ausgelobt hatte. Er hat ihn gewonnen, auch wenn die Kanadierbesatzungen ihn einmal aus dem Wasser ziehen mussten, nachdem ihm die Eskimorolle nicht recht geglückt war.
Gepaddelt wurde auf einem besonders reizvollen Mittelstück der Lahn von der Eisenbahnbrücke vor Weilburg bei Fluss-Km 39,3 bis nach Dehrn bei Km 71,6, mit seiner Burg aus dem 12. Jahrhundert. Die Lahn scheidet den Taunus vom Westerwald, die ihr mal von links und mal von rechts mit hohem Schiefer-, Kalk-, oder Marmorfels dicht an das Ufer treten. Auf solch einem Fels liegt das Renaissanceschloss von Weilburg der Grafen von Nassau, welche im Zuge der Industrialisierung um 1840 die Lahn schiffbar machten und dazu mit etlichen Schleusen ausbauten. Bis nach Limburg hinunter sind die Schleusen von Hand zu bedienen. Das ist eine schweisstreibende Kurbelei bis man die Flutungs- und Ablass – Schieber jeweils geöffnet und geschlossen hat. Hinzu kommt das Aufdrücken und Schliessen der Tore mittels grosser Hebelarme. Aber bei dem regen Verkehr finden sich oft andere Neulinge die noch neugierig darauf sind und einem das ersparen. Besonders schätzten wir das bei der Doppelschleuse, die gleich an den berühmten 180 m langen, 1847 in Betrieb genommenen Schiffstunnel grenzt, der unter dem Weilburger Schlossfelsen hindurchführt, während der alte Flusslauf über Wehre und Stromschnellen aussen herum führt. Im Tunnel und an den Wehren ist meist ein Hallo und Gegröhle, aber ansonsten tritt man ein in die Abgeschiedenheit einer lieblichen Flusslandschaft, die einem durch die Perspektive des Wasserspiegels so manche ungeliebte Errungenschaften der Industrialisierung weg retuschiert. Der Eindruck der wechselnden Idyllen lässt die meisten - nicht alle - stumm dahingleiten. So passiert man den beliebten Campingplatz bei Odersbach und meistert die Schleuse bei Kirschhofen. Auf dem Campingplatz Gräfeneck legten wir eine Mittagsrast ein. Leider fing es dann nach anfänglichem Sonnenschein an zu regnen. Das Idyll von Fürfurt mit seiner Schleuse passierten wir leider bei Starkregen, aber dennoch bester Stimmung. Gegen 15:30 Uhr erreichten wir das Tagesziel bei Km 57,4. Das Lahntalhaus ist ein Selbstversorgerhaus des Landesverbandes Hessen der Naturfreunde. Es liegt etwas erhöht, eingerahmt von Wald an einer etwas strömungsreicheren Lahnschleife und verfügt über mehrere von massiven Buchenmöbeln geprägten Zwei- und Mehrbettzimmer, eine adäquat grosse Küche und einen zweifach teilbaren, grossen Aufenthaltsraum, sowie gute Waschgelegenheiten.
Pünktlich zum Grillabend hörte dann der Regen auf und alle zogen ins Freie vor das Haus und taten sich gütlich an den guten Würstchen, Steaks, Salaten und Folienkartoffeln, die von der unermüdlichen Begleitmannschaft, Monika, Lydia und Ute beigefahren und nebst trockener Kleidung bereits ausgeladen worden waren.
Naturgemäss hatten die ca. 20 Km - Paddeln unterschiedliche Spuren hinterlassen, so dass ein paar Teilnehmer es vorzogen vom Boot ins Auto umzusteigen und Peter, Wilfried und Susanne in die Kanadier wechselten, weil Sie für die Enge der Paddelboote wohl nicht recht geschaffen waren. Die Kanadier, nun jeweils mit drei grossen Erwachsenen beladen, waren entsprechend behäbiger und kopflastiger geworden.
Am Sonntag um ca. 11 Uhr startete dann die Flotte bei Sonnenschein zur zweiten Etappe. Vorbei am Marmorfelsen und dem Kalkfelsen der „Bodensteiner Lei“ erreichten wir mit Runkel die wohl romantischste und trutzigste Burg der Lahn, die mit Ihren drei mächtigen Türmen einst zur Sicherung einer Furt und der 1440 erbauten steinernen Bogenbrücke errichtet wurde. Schier himmelhoch erscheint sie vom Wehr aus, das wir durch eine just gerade offene Schleuse schnell passieren. Dadurch wird die Mittagsrast von vor-, auf nach der Schleuse verlegt. Dazu laufen wir in strömungsreicher Kurve den Campingplatz von Runkel an. Mit Cafe, Toilette und Liegewiese ideal, wenn nicht das Anlanden und Ablegen eine Herausforderung dargestellt hätte.
So kamen wir aber noch zu einem weiteren „Highlight“ des Tages, nämlich dem Kenterer des quasi zuletzt ablegenden Kanadiers mit Angela, Susanne und Manfred, der seine Passagiere nach einem linksseitigen Rammstoss synchron wie einstudiert in die Fluten beförderte. Das löste natürlich allgemeine Heiterkeit aus, die dann auch die Betroffenen erfasste, nachdem Leute, Boot und Habseligkeiten aufgefischt, ausgeleert, notdürftig getrocknet und wieder zu Wasser gebracht waren.
Dann ging es ohne weiteren Zwischenfall nach Dehrn Km 71,6. Das Anlanden und Verladen hatte inzwischen professionellen Charakter angenommen, so dass wir zügig zur Abschlusseinkehr im Gasthaus Tenne schreiten konnten, wo wir tatsächlich unter Sonnenschirmen den Schatten suchten.
Wie man hören konnte hat es allen ausnehmend gut gefallen, so gut, dass es nicht die Frage ist ob, sondern nur wo wir nächstes Jahr paddeln.
Auch wenn es oben schon erwähnt wurde, möchte ich mich noch einmal bei den beiden Hauptverantwortlichen, Monika und Robert bedanken und hoffe, dass mein Bericht und die Bilder noch weitere Mitglieder anregen bei unseren diversen Veranstaltungen mit zu machen, sich kennen- und schätzen zu lernen!