Billtalpost/ Mai 2008 / Rundbrief

Liebe Mitglieder,
unlängst wanderten wir mal wieder eine unserer Lieblingsstrecken des Rheinsteigs. Wir starteten in Lorchhausen oberhalb des Weingutes „König“, wo begrenzter Parkraum direkt am Rheinsteig zur Verfügung steht und man unmittelbar auf einem der schönsten Wege durch ehemalige Weinberge loslaufen kann. Während der Weg etliche Leys (wie Loreley = Schieferfelsen) umrundet führt er in sanfter Neigung hinab in das Niedertal, welches mit einem Kuriosum aufwartet: Als die Siegermächte, nach dem ersten Weltkrieg, Deutschland quasi mit dem Zirkel aufteilten, lag das Niedertal sozusagen im „toten Winkel“ der Kreislinien. Es blieb daher anfänglich unbesetzt und auf Grund seiner Form gab man ihm bald den Namen „Freistaat Flaschenhals“. Noch heute pflegt ein selbsternannter „Vogt“ nicht nur die von ihm eingerichteten Rast- und Aussichtsplätze, sondern auch das Andenken an die Zeit mit entsprechenden, durchaus interessanten und unterhaltsamen Informationstafeln. So machte er kürzlich mit einem Gedicht seinem Ärger über die überall in die Gegend geworfenen Tempotaschentücher Luft. Einen ganzen Eimer voll habe er bei einer einzigen Aktion gesammelt und es werde permanent unmittelbar am Wege exkrementiert und die für die gebotene Hygiene benutzten Taschentücher ebenfalls einfach dazu geworfen, anstatt sich etwas weiter in den Wald oder die Büsche zu begeben und die Hinterlassenschaften zu vergraben oder wenigstens mit Steinen oder Blättern zu bedecken. Das etwas „rustikale“ Gedicht schildert die Dinge etwas plastischer als ich es hier wiedergebe und vermittelt dadurch wie sehr sich der „Vogt“ ärgert über diese Missachtung seiner Bemühungen, die Missachtung der ästhetischen Gefühle der Mitmenschen und vor allem der Missachtung der Schönheit der Natur. Dem Einen oder Anderen ging das wohl etwas zu weit, jedenfalls interpretiere ich die Kommentare wie „Aber hallo!“ so. Dennoch kann ich ihm in der Sache nur beipflichten. Selbst auf den schönsten, oft auch anspruchsvolleren Wegen und Steigen, die eben nicht Jedermann geht, sondern die ambitionierten Wanderern vorbehalten sind, findet man massenhaft solche Hinterlassenschaften.


Ganz besonders war mir das wieder einmal in den Alpen aufgefallen, als wir uns einen lang gehegten Wunsch erfüllten und mit einer Hüttentour die Südtiroler Texelgruppe auf dem „Meraner Höhenweg“ umrundeten. Das Auf und Ab ist nicht nur schweißtreibend, auch die Nase läuft da gerne mal, jedenfalls ist das ablesbar an den vielen weißen Punkten in der Landschaft neben blauem Enzian, roten Alpenrosen und gelbem Löwenzahn. Nur der Fernblick in die Dolomiten, die im Sonnenschein liegen, lenkten den Blick davon ab. Es sind offenbar nicht die jungen Leute, denen man es wegen womöglich fehlender Erziehung gerne zuschreiben würde, denn die sind bei weitem in der Minderheit, es sind gerade die Älteren, die es noch gewohnt waren ihre Zigarettenkippen einfach so überall auszutreten - verrotten doch! – und welche die gleiche Naturverträglichkeit den Tempotaschentüchern nachsagen. Verrotten auch, wie Bananen- oder Apfelsinenschalen. Fragt sich nur wie lange man den Anderen den Anblick des Verrottungsprozesses zumuten will. Die Halbwertzeit liegt bei „Tempos“ sicher bei einem Jahr und mehr!
Trotz harten Widerstandes der Lobbyisten der Dosen-, PET- Flaschen- und Getränkehersteller, wurde das Pfand auf diese Verpackungen durchgesetzt. Entgegen den Unkenrufen ist dadurch niemand ruiniert worden, sondern die Systeme haben sich angepasst und es liegt praktisch nichts mehr davon in der Natur herum. Was war das vorher katastrophal!
Bleibt noch das Problem der Fastfood Verpackungen, der Kaffee-Becher- herum- Schlepper- Kultur und eben der Tempo-Taschentücher-in-die-Landschaft-Drapierer.
Auch wenn einem die vielen gedruckten, kunstvoll gemalten, in Holz geschnitzten oder Stein gemeißelt Sinnsprüche zum Thema Müll und Natur schon manchmal auf die Nerven gehen, offenbar reichen sie nicht aus und deshalb meine Bitte: Tragen wir als NaturFreunde dazu bei, unsere Natur sauber zu halten, nehmen wir unsere Taschentücher wieder mit nach Hause und werfen absolut nichts einfach in die Gegend, seien wir Vorbild und halten andere auch dazu an.
In diesem Sinne herzliche Grüße und „Berg frei“... (von Tempotaschentüchern)
Euer Manfred