Die Kanutour ...am 09. und 10.08.2008

Natürlich hätte man das Wochenende am 09. und 10.08.2008 genauso gut zu Hause auf dem Sofa liegend, Olympia-Berichterstattung auf dem Bildschirm und einen kühlen Drink in der Hand, verbringen können, oder man hätte im MTZ am Samstag bis 22 Uhr shoppen gehen und sich anschließend irgend einen Spätfilm mit einer Jumbotüte Popcorn und einem Megacola auf dem Schoß ansehen und sonntags mal durchschlafen können, aber dann wäre es ein Wochenende von zweiundfünfzig im Jahr gewesen, das ohne großen Erinnerungswert vom Gehirn abgehakt worden wäre und für spätere Erwähnungen nicht getaugt hätte. Ganz anders verhält es sich mit einem Kanuwochenende der Naturfreunde auf der Fränkischen Saale. Es fordert jeden auf seine Weise heraus und hinterlässt eine Fülle von Spuren an die man sich noch nach Jahren erinnert. Sei es ein verteufelter Wespenstich ins Gesicht, der nur mit liebevoller und medikamentöser Behandlung zu überstehen war, oder seien es kaltschnäuzig gemeisterte Stromschnellen, ein ums Zerplatzen nicht geradeaus laufen wollende Kanadier, die Schrecken des Kenterns, oder die keine, aber wirklich auch gar keine Gelegenheit auslassenden Kalauer, die man, nachdem man sie oft genug gehört hat, nun auch selber im Repertoire hat. Alle haben es genossen, alle haben was zu erzählen und danken vor allem Robert und Monika Vogel für die perfekte Organisation und Durchführung. Besonders freut uns Billtaler, dass inzwischen auch einige Mitglieder anderer Ortsgruppen an unserer Kanutour teilgenommen haben und auch wieder kommen wollen. Alles verlief wie angekündigt. Wir haben bei Hammelburg die Boote eingesetzt. Der Platz ist insofern optimal, als es genug Parkplätze und eine saubere Toilette direkt an der Saale gibt. Nach zwei Stunden Fahrt und einer weiteren Stunde des Abladens, Bootklarierens, Sachensortierens, Kentersäckeaufblasens, Rudereinstellens, in Neopren- und Spritzdeckenzwängens, wurde letztere rege beansprucht. Aber gegen halb zwölf ging es tatsächlich los und noch bevor man sich überhaupt an Boot und Paddel gewöhnen konnte kam aus heiterem Himmel das erste Schrägwehr. Eine vorausfahrende Gruppe war dabei Ihre Boote für das Umtragen aus dem Wasser zu ziehen, als uns irgendwie der Teufel ritt und Anette im ersten Einer Kajak den Schwall des Wehres hinunter fuhr gab es kein Halten mehr und wir schlossen uns an. Karin und Tochter Johanna im Zweier stellten sich von einem Fels festgehalten, mitten im Schwall quer und wurden vom Kanadier von Angela und Manfred mittschiffs gerammt. Die beiden waren schon zu dicht am Schwall, als dass sie ihren Anlauf noch hätten abbrechen können. Robert hat das wohl schon kommen sehen und war augenblicklich aus seinem Boot heraus und mitten im Schwallwasser und zog den Zweier wieder ins Fahrwasser. Er wurde dabei aber von der Wucht mitgerissen und passierte das Hindernis halb schwimmend, halb tauchend. Klingt witzig, aber wir waren heilfroh, dass es abgesehen von kleineren Blessuren, gut ausgegangen ist und als bestandenes Abenteuer gewertet werden darf. Auch Peter und Thomas haben an der Stelle wohl ihre „Äquatortaufe“ gehabt. Danach konnte uns nichts mehr schrecken und von der Befahrung so manchen Wehres konnten uns nur die strikten Verbotsschilder abhalten und wir mussten die Boote aus dem Wasser holen und teilweise recht weit um die Wehre tragen. So wurde es zu einem „Kanutriathlon“ , Wanderpaddeln, Wildwasserfahren und Boote schleppen. Interessanterweise hatte aber auch bei den anderen Gruppen keiner einen Bootswagen dabei. Man schleppte, zog und schob allenthalben, wobei man in den Gesichtern der Akteure die unterschiedlichsten Stimmungslagen ablesen konnte. Nicht zuletzt deswegen war auch eine trotz des späten Startens noch eingeschobene Mittagsrast allgemein willkommen. So wurde die Rossmühle bei schönem Wetter und guter Stimmung erreicht, wo unser Vorausteam, Monika, Lydia und Ute schon gute Vorarbeit geleistet hatten. Schutzdach, Tische und Bänke standen schon und die Getränke waren gekühlt. Das Aufbauen der verschiedenen Zelte ist immer wieder eine Herausforderung mit hohen Anforderungen an technisches Können und Kombinationsgabe und wird somit Bestandteil des Unterhaltungsprogramms bis der Grill die richtige Glut hat, Salate, Brot und sonstige Beilagen gerichtet sind und man zum Abendessen schreiten kann. Der Abend verlief dann bei Rotwein und Bier harmonisch und nach und nach zog man sich in die inzwischen klammen Behausungen zurück. Nicht alle haben gut geschlafen, da es auf dem Gelände keine Hüttenruhe gab und noch lange gesungen und Musik gemacht wurde. Gegen vier Uhr morgens wurden viele wieder wach, weil eine Mutter in der Nachbarschaft ihre verbalen Erziehungsmaßnahmen in Kasernenhoflautstärke von sich gab. Als die Sonne wieder am Himmel stand, Klogang nebst Katzenwäsche absolviert war, kam wieder Leben ins Lager. Zelte wurden abgebaut und getrocknet, die bestellten Brötchen geholt, gefrühstückt und Lunchpakete gepackt. Bis alles zur Abfahrt fertig war wurde es fast Mittag bis die Boote wieder im Wasser waren. Noch zweimal mussten auf den verbleibenden 17 Flusskilometern die Boote um Wehre getragen werden, was jeweils zu Pausen genutzt wurde. Zwei Wehre wurden durchfahren, wobei insbesondere die Kanadier ordentlich voll Wasser liefen und so den Sinn des zeitaufwändigen Anlegens der Spritzschutzdecken bei den Kanus verdeutlichte. Ansonsten ging es fröhlich und reibungslos bis Gemünden an die Mainmündung, wo die Fahrt endete. Eine Schlussrast sollte dann unterwegs eingelegt werden, sofern sich ein adäquater Biergarten fände. Fand sich aber nicht, so dass der Tross gegen 19 Uhr wieder bei Robert in Zeilsheim auf den Hof fuhr. Allen hat es sehr gefallen und alle wollen wieder mitmachen. Nochmals Dank an alle die mit Ihrem Engagement zum Gelingen dieses Wochenendes beigetragen haben.