Tanz auf dem Vulkan - eine Veranstaltung der hessischen NaturFreunde


Ein Wochenende im größten Basaltgebirge Mitteleuropas

21 hessische Naturfreunde trafen sich vom 15. – 17.05.2009 in Bermuthshain im Vogelsberg. Noch am Freitagabend fand eine erste Besprechung zu den einzelnen Aktivitäten der kommenden Tage statt. Hanne Pfeiffer, Marlies und Peter hatten ein hochinteressantes, abwechslungsreiches und sehr informatives Programm zusammengestellt.
Am Samstag vormittag besichtigten wir die seit 1585 bestehende Schlitzer Kornbrennerei. Nach einer sehr sachkundigen Führung durch Kornbrennerei, Grundstoffdestillation, Lagerkeller, E-delobstbrennerei und Abfüllung absolvierten wir noch die Verkostung und derart gestärkt starte-ten wir zu einem Stadtrundgang in Schlitz, vorbei an alten, wunderbar restaurierten Fachwerk-häusern zur Burg und zum Marktplatz.
Nachmittags erwartete uns Claudia Blum, Naturparkführerin, zu einer Wanderung rund um Ul-richstein und zur Burg Ulrichstein. Storchenschnabel, Hahnenfuß und viele weitere bekannte und auch unbekannte Blumen und Gräser blühten um die Wette und irgend jemand fand sich immer, der auch der letzten unbekannten Pflanze einen Namen verpassen konnte.
Ulrichstein ist mit über 600 m die höchstgelegene Stadt des Vogelsberges und entsprechend großartig war auch die Aussicht von der Burgruine aus. Beschattet von einer über 300 Jahre alten Esche liegt hier ein Ehrenfriedhof. 131 Kriegstote von Einzelfriedhöfen aus 3 oberhessischen Kreisen wurden 1969 in den ehemaligen Garten der Burgruine Ulrichstein umgebettet. Jedes Grab hat ein Kreuz aus Tuffstein und eine Grabtafel aus Bronze. Bei unserem Rundgang fielen uns die vielen Gräber von kleinen Kindern und jungen Frauen –alle aus Rußland - auf. Im Rah-men der Informationen zur Muna erfuhren wir, dass die jungen Frauen Zwangsarbeit in der Luftmunitionsanstalt (Muna) verrichten mussten und bei einer Explosion ums Leben kamen . Weitere Frauen und Kinder wurden Ende März 1945 von amerikanischen Soldaten als Vergel-tungsaktion für deutsche Hinterhalte erschossen.
Nach einem hervorragenden Abendessen gaben uns NaturFreund Jürgen Löffler sowie Gerhard-Karl Rollmann einführende Informationen zur Luftmunitionsanstalt Hartmannshain, sehr beein-druckend hinterlegt mit alten Fotos und Kartenmaterial.
Jürgen und seine Mitstreiter bilden die Arbeitsgruppe „AG Muna-Grebenhain“. Ihr Ziel ist u.a., in der alten Schule (sie steht unter Denkmalschutz) in Bermuthshain bis 2012 ein Museum mit einer Muna-Ausstellung zu eröffnen. In diesem Jahr feiert die Gemeinde Bermuthshain ihr 1000-jähriges Bestehen. Die Finanzierung des Museums ist durch Mittel aus der Denkmalspflege und der Dorferneuerung weitgehend gesichert, darüber hinaus ist die Arbeitsgruppe für jede kleine und große Spende dankbar. In einem der Nato-Bunker sollen auch Bombenfunde und weitere Exponate ausgestellt werden. Die Arbeitsgruppe erfährt große Unterstützung durch den Denk-malpfleger und den Bürgermeister, in dessen Amtszeit der Hauptteil der Entmunitionierungsar-beiten fiel.
Jürgen begleitete uns auch am Sonntag morgen auf unserem Rundgang durch das Muna-Gelände. Den Abschluss dieser Tage bildete ein Mittagsessen auf der Herchenhainer Höhe. Hier konnten wir auch die vielen, nachhaltigen Eindrücke dieses Wochenendes sacken lassen und Hanne, Mar-lies und Peter nochmals unseren Dank für die hervorragende Vorbereitung aussprechen.
Nachdem wir in den letzten Jahren bereits die thüringische, die hessische und die bayrische Rhön erkundet haben, ist für das Jahr 2010 ein Wochenende im Spessart geplant.
( Bericht verfasst von Gisela Dreibus )